Fliegenfischen an der Hoppecke mit Niki Casset

ein Erlebnisbericht von Werner Berens

 

Niki Casset befischt den Wehrgumpen an der Hoppecke

Es gibt Fliegenstrecken, die machen schon in Sichtweite Lust darauf, so schnell wie möglich ans Wasser zu kommen, weil man den "Inhalt" schon bei der Annäherung sehen kann. Bei der Hoppecke ist das so.

vorsichtige Annäherung Da steigt wieder eine", macht Niki mich aufmerksam. Wir sind noch auf dem Weg etliche Meter oberhalb der Hoppecke, sehen schon von dort die steigenden Fische. Ich bin gedanklich schon weiter: Wo und wann kommen wir endlich ans Wasser? Zwei, drei, vier Fische steigen im Wehrgumpen am unteren Ende der Strecke. Ich bleibe mit der Kamera zunächst im Hintergrund, lasse Niki die Fische anwerfen. Sie beißen "spitz" einige Male bleibt die kleine Nymphe kurz stehen, einige kurze Fastdrills. Wechsel auf Trockenfliege.

Endlich, eine ordentliche Regebognerin hängt am Haken- und macht, was sie nicht machen soll: schwimmt unter das Geäst im Wehrgumpen und verschanzt sich dort so, dass Niki hinein muss, um zu retten, was zu retten ist. Die Regenbogenforelle bleibt Sieger, kommt frei.

Die Regenbogenforelle am Haken ist unter den Ast geflüchtet

Der Gumpen hat es in sich

Danach bin ich dran. Ich bekomme auch ein paar zaghafte Bisse - aber hier war jetzt zu viel Unruhe - und die Strecke ist lang.

Oberhalb des Wehres fischen wir stromauf, lassen unsere Nymphen durch die zahlreichen Pools und unter die Wurzeln der Erlen treiben, fangen Bachforellen. Eine Regenbogenforelle bekomme ich an den Haken, indem ich die Nymphe von stromauf unter das Totholz treiben lasse.

 

Fischen "as usual" könnte man meinen und ich bemerke erst allmählich, dass mir der Sinn nicht danach steht, fliegenfischereilich in Zahl und Größe messbare Erfolge vorzuweisen. Irgendetwas geschieht hier mit mir. Ich beobachte, untersuche, fotografiere. Und dann weiß ich es: An diesem Nachmittag wird mir das Glück einer Zeitreise in meine fliegenfischereilichen "Kindertage" zuteil. Flüchtende Fische, wohin man auch tritt, eine ungeheuer dichte Population von Köcherfliegen auf den Steinen.

Spannung bei jedem Wurf

Perla marginata, die große Steinfliege treibt auf dem Wasser und erreicht zappelnd das Ufer, eine andere setzt sich auf meinen Arm, Eintagsfliegen im Hochzeitsflug.

Die faszinierende Fülle des Lebens in und an der Hoppecke erinnert mich an "meinem" längst heruntergewirtschafteten Bach der Vorkormoranzeit. Das es solche Gewässer wie die Hoppecke noch gibt.

So groß ist Perla marginata

 

Platzwechsel Richtung Fischtreppe. An dieser Stelle gibt es eine Ufermauer, die unterhöhlt ist. Die Regenbogenforelle jenseits von 40 cm steckt ab und zu den Kopf aus der Höhle, manchmal kommt sie auch ganz heraus, verschwindet aber dann nach kurzer Zeit wieder. Auch die ein oder andere Bachforelle kommt zum Vorschein und verschwindet wieder.

Werner Berens fischt an der Hoppecke

Die Fischtreppe an der Hoppecke Wunderschöne Fische

 

Die Saiblinge sind nicht so vorsichtig. Deshalb hängt auch der erste bald darauf an Niki's Fliege und der zweite kurze Zeit später. Wunderschöne Fische sind das. Doch die Regenbogenforelle verweigert sich hartnäckig dem Gefangenwerden. Sie ignoriert mehrere "Arten" von Trockenfliegen und Nymphen, verzieht sich unter die Mauer, wenn sie zu oft angeworfen wird. Ob sie das in drei Stunden auch noch tun wird, dann wenn alle Fische in der Dämmerung aus ihren Unterständen kommen und auf Jagd gehen?

 

Rollwurf unter die Bäume

Eine Menge Fische stehen da unter der Mauer, gelegentlich sieht man für kurze Zeit einen hervorkommen. Ich versuche mir vorzustellen, wie sie in's Freiwasser kommen.

Doch jetzt müssen wir zurück und ich weiß, dass mich die Bilder des Nachmittags auf der Heimfahrt begleiten werden.


An diesem Nachmittag habe ich einen Eindruck gewinnen können von einem faszinierenden Flüsschen, dem unter den vergleichbar großen Forellenbächen ein besonderer Status gebührt.

 

noch ein schöner Saibling aus der Hoppecke

Für mich gehört es zur "Ethik" des Fliegenfischens, nicht nur den Fischen, sondern auch den Flüssen, in denen sie leben, mit dem ihnen zustehenden Respekt zu begegnen. Deshalb werde ich an einem anderen Tag zur Hoppecke mit der Zeit wieder kehren, auf die dieses Juwel einen berechtigten Anspruch hat.

Werner Berens beim Fliegenfischen an der Hoppecke

Und dann werde ich der Fülle des Lebens an diesem Flüsschen begegnen, bis spät in den Abend an dieser Mauer stehen und die Fische fangen, die dort wohnen.

Werner Berens