Werner Berens über die Möhne ...

Werner Berens und Mirjana Pavlic an der Oberen Möhne

„Ermittlungen“

Seit die Obere Möhne zum Fly-only-Gewässer „umgebaut“ wurde und der Fang von großen Fischen dort sich in „bestens informierten“ Fliegenfischerkreisen herumsprach, setzt man sich in eben diesen Kreisen mit der Frage auseinander, ob es sich bei der Strecke um ein lohnendes Ziel für den fortgeschrittenen Fliegenfischer handele oder doch eher um einen „Spielplatz“ für fliegenfischereilich eher unbedarfte Trophäensammler.

Nun, Menschen- respektive Fliegenfischer neigen zu Pauschalisierungen, und so fand ich vor allem von jenen, die noch nie an diesem Wasser waren, recht „originelle“ Einschätzungen, die mir wieder einmal klar machten, dass „man sich selbst ein Bild machen muss“. Eigentlich eine pure Selbstverständlichkeit. Doch diesmal war ich in der Situation, dass die „Zeit mir auf den Füßen stand“, weil ich für den zu schreibenden „Fliegenfischerführer“ noch zu einigen Gewässern musste oder- je nach Sichtweise- durfte. Es war also abzusehen, dass eine 14tägige Begehung nicht zu realisieren sein würde, und ich mit dem ersten Eindruck vorlieb nehmen müsste. Doch bei diesem Kurzbesuch wollte ich so viel wie möglich erfahren und versuchen, den „Charakter“ dieses Gewässers zu erfassen. Mein Anliegen fand bei Mirjana Pavlic offene Ohren und zum vereinbarten Zeitpunkt reisten ein Fliegenfischerfreund und ich am Möhnesee an.

Mirjana hat eine Bachforelle gelandet

Von den Freuden des Fotografierens

Bereits 20 Minuten nach unserer Ankunft standen wir alle drei im Fluss. Mein mitgebrachtes „Fotomodell“ und Mirjana als freiwilliges Fotomodell und vor allem Guide mit Fliegenrute.. Ich stehe lieber mit der Fliegenrute als mit Kamera bis zum Bauch im Wasser, zumal ich einige Monate vorher meiner Kameraausrüstung ein Vollbad mit Totalschaden zugemutet hatte. Wenn ich schon im Wasser stehe, fische ich am liebsten, doch das taten nun die beiden anderen. Ohne Zweifel, Mirjana kennt ihr Gewässer, aber selbst wenn das nicht so gewesen wäre, hätte sie Fische gefangen. Innerhalb einer Stunde „zauberte“ sie aus einer tiefen Rinne, an der sich kurz vorher ein Gastfischer nicht übermäßig erfolgreich versucht hatte, etliche schöne Regenbogen- und Bachforellen an die Oberfläche.

Das Faszinierende daran war das Wie. Ein kurzer Versuch mit im Mittelwasser treibender Nymphe, die Feststellung, dass da keine Fische seien und die Anpassung des Gerätes an grundnahes Fischen, bei allem höchste Konzentration, jeder Handgriff saß, jeder Wurf war überlegt oder intuitiv richtig und nach jeder dritten Drift wurde ein ordentlicher Fisch schnell und ohne Umstände an die Oberfläche gedrillt und vom Haken gelöst. Die wahren Fischer sind die, um die beim Fischen die Welt versinkt, das Gewässer wird nebensächlich und ich fotografiere das vollkommene Fischen, frage mich, warum Fotografen immer Fischer „nach dem Fischen“ mit dem Fisch in der Hand fotografieren, statt die Momente des Fischens selbst einzufangen. Freilich, noch lieber als fotografieren möchte ich selbst hier stehen und fischen, aber ich weiß nicht, ob ich das so hinbekomme, wie ich es hier sehe.

 

Den Dingen/dem Gewässer auf den Grund

Versuchen will ich es zumindest und da ich mir ein von „Guiding“ unbeeinflusstes Urteil bilden wollte, verließ Mirjana uns nach Mittag. Ich legte die Kamera beiseite und griff zur Fliegenrute. Mein Begleiter und ich befischten nun jeder verschiedene Abschnitte. Ich wanderte ein Stück flussabwärts und kletterte über das steile Flussufer in einen grünen überwachsenen Tunnel. Das Wasser war tief und Wurfraum war kaum vorhanden. Trockenfliege ging in dieser „grünen Hölle“ nicht.  Also hieß es die fängig aussehenden Stellen unter dem über die Ufer wuchernden Gebüsch abzuklopfen. Fischereilicher „Forscherdrang“ ließ mich zur Nassfliege greifen, und zwei Fische konnte ich mit dieser Methode überzeugen, doch der Favorit war die grundnah geführte Nymphe. Die Rollwürfe müssen schon genau sitzen und ich kann mir gut vorstellen, dass ein Anfänger in diesem Flussbereich mehr Büsche als Fische fängt. Ich hatte Glück und fing einige ordentliche Bach- und Regenbogenforellen der zwischen 40 und 50cm- Klasse. Doch bei einer größeren schlitzte nach kurzem heftigen Drill auf engstem Raum zwischen Büschen der Haken aus. Jeder Strauch, jede Kurve, jede Rinne in diesem Dschungel barg fischverdächtige Stellen. Und als die Zeit so weit fortgeschritten war, dass ich aufhören musste, stellte ich fest, dass ich nur eine Strecke von etwa 400 Metern befischt hatte. Die Zeit war wie im Fluge vergangen und ich hatte selbst auf dieser kurzen Strecke nicht einmal alle Fischwohnungen aufsuchen können. Und anderswo gab es ja auch noch die flachen Rieselstrecken, die Gumpen, die ………….die ich dieses Frühjahr aufsuchen werde, denn mit einem halben Tag des Fischens kann man dieser faszinierend vielfältigen Strecke nicht gerecht werden. Auch mein Begleiter hatte an anderer Stelle Fischerglück gehabt und so konnten wir mit einem ersten sehr positiven Eindruck von der Oberen Möhne zum Laden fahren, um mit Mirjana gemeinsam das Bildmaterial zu sichten und- das gehört zu den „Ermittlungen“ bei meinen Gewässerberichten immer dazu- ein ausführliches Gespräch über die Bewirtschaftung des befischten Gewässers zu führen.
Ouintessenz : Ich freue mich darüber, dass Mirjana Pavlic - ich bin da durchaus eigennützig - ein für mich mit vertretbarem Aufwand erreichbares Gewässer mit überaus interessanter Struktur und einem ebenso interessanten Fischbestand pflegt, sodass ich nicht jedes Mal in die Alpen fahren muss, wenn ich ordentliche Fische an einem gar nicht so einfachen Wasser fangen will.

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An der Oberen Möhne